Grundlegender Irrtum: Die High Heels bleiben an.

Eigentlich eine hübsche Lesegeschichte im Wochenend-Magazin der Berliner Zeitung, in dem Nikolas Feireiss unter dem netten Titel Das Rad der Stadt (Hinweis für Leser ohne Ost-Vorkenntnisse: Der Rat der Stadt war die DDR-Bezeichnung für das kommunale Verwaltungsgremium) über das Fahrrad als Statussymbol im urbanen Raum sinniert:

Da ist es wohl kaum ein Zufall, dass in Mailand und Paris den Besuchern der Prêt-à-porter-Schauen neuerdings Räder angeboten werden, um von Defilee zu Defilee zu gelangen. Wenn es auch kaum vorstellbar ist, dass die Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour ihre High Heels und den Pelz ablegt, um aufs Rad zu steigen – ein Signal ist das schon. Es eröffnet eine lässige Option für alle, die nicht in der Limousine und mit Chauffeur vorfahren können.

Tja, Kollege. Da sind wir beim grundlegenden Missverständnis. Das Rad als selbstverständliches Transportmittel im urbanen Raum bedeutet ja gerade, dass frau ihre High Heels und den Pelz eben nicht ablegt, wenn sie aufs Rad steigt. Wie es zum Beispiel Copenhagen Cycle Chic als Botschaft transportiert: Style over Speed.

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Fahrradfahren im rechtsfreien Raum

Wenn es ums Internet geht, erkennt man die Leute ohne Ahnung sofort: Das sind die, die gebetsmühlenhaft wiederholen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein oder werden dürfe. Als ob die allgemeinen gesetzlichen Regeln dort nicht gelten würden.

So ähnlich verhalten sich jetzt viele Politiker, wenn’s ums Fahrradfahren geht. Schärfere Vorschriften, Bussgelder und ähnliches seien nötig, weil die Radler sich doch nicht an Gesetze halten. Ja, liebe Pseudo-Experten und Verkehrspolitiker, so was nennt man in euren Kreisen ein Vollzugsdefizit. Was nicht heißt, dass es die entsprechenden Gesetze nicht schon längst gäbe.

In die Reihe der Kenner unter dem Motto … darf kein rechtsfreier Raum werden hat sich jetzt, ein wenig zu meiner Verblüffung, auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, eingeschaltet. Unter der Überschrift Missachtung von Verkehrsregeln ist unter Radfahrern inflationär (man beachte den Begriff Kampfradler in der URL!) nahm er den Kampf per Pressemitteilung vor ein paar Tagen auf, jetzt hat er nachgelegt. Unter anderem mit der Forderung Es müsste geprüft werden, ob der Bußgeldkatalog für Radfahrer nicht an den für Autofahrer angepasst werden könnte, etwa wenn man beim Radfahren das Handy benutzt.

Das ist es! Radfahrer telefonieren an der Lenkstange, weil sie mit 25 Euro Bußgeld deutlich günstiger wegkommen als Autofahrer mit 40 Euro. Die 15 Euro Unterschied sind natürlich ein echter Anreiz, den §23 Abs 1a der Straßenverkehrsordnung zu ignorieren. Das muss geändert werden.

Einer dieser Radfahrer, die den ordnungsgemäßen Verkehrsfluss behindern (Foto: Marcio Cabral de Moura via flickr unter CC BY-NC-ND)

Und die Kennzeichnungspflicht für Fahrräder nehmen wir gleich dazu. Obwohl, hallo, Herr Witthaut? Sie verweisen da auf E-Bikes, die 40 oder 50 km/h schnell sind. Für die gilt doch jetzt schon eine Versicherungspflicht mit Kennzeichen. Das gibt’s also schon. Hm, warum tun Sie denn dann so, als müsse man erst darüber nachdenken?

Nun muss man fairerweise sagen, dass der Gewerkschafter auch klagt:

Einen Grund für die sinkende Verkehrsmoral unter Radfahrern sieht Witthaut in der mangelnden sichtbaren Präsenz der Polizei: „Kaum jemand muss damit rechnen erwischt zu werden, weil die Polizei nicht genug Personal hat den Straßenverkehr insgesamt, besonders aber das Verkehrsverhalten von Fußgängern und Radfahrern spürbar zu überwachen.“

Hm, ja, Personalmangel, Einsparungen, wir kennen das. Allerdings: warum besonders aber das Verkehrsverhalten von Fußgängern und Radfahrern spürbar zu überwachen? Weil Autofahrer ja nicht wie Fußgänger und Radfahrer im rechtsfreien Raum unterwegs sind? Oder ärgert den Herrn einfach, was er in einer Randbemerkung zu den E-Bikes rauslässt: gerade in der Stadt ist man damit ja oft schneller als mit dem Auto?

Das darf aber nicht sein. Das Auto ist der Normalfall, alles andere abweichendes Verhalten. Das spürbar überwacht werden muss. Vielleicht wäre der Herr statt bei Polizei und Gewerkschaft doch besser bei einer Lobbyorganisation aufgehoben.

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Auto ja. Fahrrad nein.

In den Großstädten ist das Fahrrad das Verkehrsmittel mit dem größten Zukunftspotenzial und ein guter Weg, einem drohenden Verkehrsinfarkt vorzubeugen? Statt mehr Autos? Glauben tatsächlich doch einige. Welch ein Irrglaube.

Berlin macht nämlich jetzt vor, was man unter zukunftsweisender Mobilität versteht. In der Hauptstadt startet demnächst das von Daimler-Benz bereederte Projekt car2go, mit 1.000 Autos. Und ein gewichtiges Werbeargument für die Nutzung der Smarts ist, dass man sie im so genannten Geschäftsgebiet an jeder Stelle für die Kurzzeitnutzung anmieten – und, vor allem, an jedem öffentlichen Parkplatz wieder abstellen kann. Das gleiche gilt übrigens für das BMW-Projekt DriveNow.

car2go in Texas (Foto: flicker-user Alachia unter CC BY-NC-SA Lizenz)

Um das Parken brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Innerhalb des Berliner Geschäftsgebiets können Sie kostenfrei auf allen öffentlich bewirtschafteten Parkflächen der Stadt Berlin parken. Zusätzlich finden Sie exklusiv für car2go reservierte Parkspots in ausgewählten Parkhäusern.

Das ist ja einfach. Warum kommt keiner auf die Idee, so was für eine Fahrrad-Kurzleihe anzubieten? Irgendwo anmieten, fahren, irgendwo abstellen?

Ach so, Moment, das gab es ja schon mal. Von der Deutschen Bahn. Bis vor etwa einem Jahr ging das nämlich mit deren Call-a-bike-System genau so. Bis dann die Bahn auf die Idee kam, dass man die Räder nur noch an festgelegten Stationen entleihen und vor allem nur noch an festgelegten Stationen wieder zurückgeben kann.

Mit Autos scheint es dagegen zu gehen, die flexible Anmietung und Rückgabe. Muss wohl daran liegen, dass Fahrräder viel größer, komplizierter und aufwändiger zu organisieren sind als so ein Auto. (Wird doch nicht damit zu tun haben, dass Mercedes und BMW eine ganz andere Marktmacht haben, sozusagen mehr PS auf die Straße bringen?)

Mal ernsthaft: Mit einem zukunftsweisenden Mobilitätskonzept unter Einschluss aller Verkehrsmittel will sich in Berlin wohl niemand auseinandersetzen?

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Verkehr erklärt: So bewegt sich die Stadt

Hier bin ich in den vergangenen Monaten nicht allzu präsent gewesen; es gibt halt zu viele Baustellen. Aber es gibt ja die Nachwuchskollegen von der Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule, die sich in einem tollen Projekt der Mobilität in der Stadt angenommen haben: Wie bewegt sich die Stadt? haben sie nicht nur gefragt, sondern auch recherchiert, und einige Antworten gefunden.

Wie Ampeln funktionieren

So werden U-Bahnen gesteuert

Call-a-bike (in München, nicht mit dem dämlichen Berliner System)

und, natürlich: Taxifahren.

 

 

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Deutsche Bahn – Vielfahrer, hihi?

Auf die Deutsche Bahn bin ich, wie so viele, angewiesen, und dass nicht nur, weil ich kein Auto mehr besitze. Schon zu Kraftfahrzeiten habe ich längere Strecken gerne mit der Bahn zurückgelegt. Lesen, Schlafen, wenn es sein muss auch Arbeiten – das geht halt im Zug leichter als am Steuer.

Und immerhin habe ich es mit dem Punkte-Sammeln, das die Bahn ja nach Fluglinien-Vorbild seit ein paar Jahren anbietet, zum Comfort-Kunden gebracht. (Immerhin soll man dafür innerhalb eines Jahres 2.000 Euro für Fahrkarten ausgeben). Damit darf man dann in die DB-Lounge, die es an dem einen oder anderen größeren Bahnhof gibt. Und das etwas später eingeführte Bahn Bonus Programm (ich glaube, wirklich ohne Bindestriche) verspricht einem dann schöne Prämien für die erfahrenen Punkte.

Jedenfalls in der Theorie.

Nun gut, praktisch kann man natürlich für seine Punkte was bestellen, so Dinge wie Reisestecker. Oder was für Kinder. Oder so.

Viel reizvoller ist natürlich (auch das nach dem Vorbild der Fluglinien), seine Punkte direkt in eine Fahrkarte umzuwandeln. Am besten als Online-Ticket, um gleich losfahren zu können. Und das geht auch – für die erste Klasse, für die zweite Klasse, einfach oder Hin- und Rückfahrt.

Das ist allerdings nicht so einfach. Weiterlesen

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Wind für 22 Millionen Elektroautos

Ach, der Ramsauer Peter. Allein die Windkraftanlagen, sagt er, könnten in Deutschland den Strom für 22 Millionen Elektroautos liefern. Hm. Da muss man noch mal nachrechnen.

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“Runs on fat….”

Schon ein bisschen älter, aber wunderbar.

(Street Art von Peter Drew, Foto: Carlton Reid via flickr unter CC-Lizenz

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