Auto ja. Fahrrad nein.

In den Großstädten ist das Fahrrad das Verkehrsmittel mit dem größten Zukunftspotenzial und ein guter Weg, einem drohenden Verkehrsinfarkt vorzubeugen? Statt mehr Autos? Glauben tatsächlich doch einige. Welch ein Irrglaube.

Berlin macht nämlich jetzt vor, was man unter zukunftsweisender Mobilität versteht. In der Hauptstadt startet demnächst das von Daimler-Benz bereederte Projekt car2go, mit 1.000 Autos. Und ein gewichtiges Werbeargument für die Nutzung der Smarts ist, dass man sie im so genannten Geschäftsgebiet an jeder Stelle für die Kurzzeitnutzung anmieten – und, vor allem, an jedem öffentlichen Parkplatz wieder abstellen kann. Das gleiche gilt übrigens für das BMW-Projekt DriveNow.

car2go in Texas (Foto: flicker-user Alachia unter CC BY-NC-SA Lizenz)

Um das Parken brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Innerhalb des Berliner Geschäftsgebiets können Sie kostenfrei auf allen öffentlich bewirtschafteten Parkflächen der Stadt Berlin parken. Zusätzlich finden Sie exklusiv für car2go reservierte Parkspots in ausgewählten Parkhäusern.

Das ist ja einfach. Warum kommt keiner auf die Idee, so was für eine Fahrrad-Kurzleihe anzubieten? Irgendwo anmieten, fahren, irgendwo abstellen?

Ach so, Moment, das gab es ja schon mal. Von der Deutschen Bahn. Bis vor etwa einem Jahr ging das nämlich mit deren Call-a-bike-System genau so. Bis dann die Bahn auf die Idee kam, dass man die Räder nur noch an festgelegten Stationen entleihen und vor allem nur noch an festgelegten Stationen wieder zurückgeben kann.

Mit Autos scheint es dagegen zu gehen, die flexible Anmietung und Rückgabe. Muss wohl daran liegen, dass Fahrräder viel größer, komplizierter und aufwändiger zu organisieren sind als so ein Auto. (Wird doch nicht damit zu tun haben, dass Mercedes und BMW eine ganz andere Marktmacht haben, sozusagen mehr PS auf die Straße bringen?)

Mal ernsthaft: Mit einem zukunftsweisenden Mobilitätskonzept unter Einschluss aller Verkehrsmittel will sich in Berlin wohl niemand auseinandersetzen?

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3 Antworten zu Auto ja. Fahrrad nein.

  1. Thilo schreibt:

    (…) “Muss wohl daran liegen, dass Fahrräder viel größer, komplizierter und aufwändiger zu organisieren sind als so ein Auto.” (…)

    Den Satz habt Ihr wohl eher spöttisch gemeint, aber genau dort steckt tatsächlich das Problem. Mit Fahrrädern ist solch ein System wie bei car2go vermutlich viel schwieriger zu realisieren. Die Telematik die dort hinter diesem System steckt, lässt sich nun mal bisher noch nicht 1:1 bei Fahrrädern realisieren. Und wenn, dann wäre vermutlich der Preis für die Fahradmiete exorbitant hoch. Genauso hoch wie die Kosten bei call-a-bike offenbar waren. Angeblich waren die Verluste pro Fahrrad so hoch, dass man sich eine Privatperson davon locker mehrere neue Fahrräder hätte kaufen können… Nun mag man die Bahn dafür kritisieren, dass sie ein schönes flexibles System quasi abgeschafft haben. Aber auf die Dauer ein tiefrote Zahlen schreibendes Produkt anzubieten, ist für alle Seiten eben auch nicht die richtige Lösung. Es hätten also mehr Leute die Fahrräder fahren müssen, aber offenbar sind wir alle in der Gesamtheit dafür wohl viel zu bequem…

  2. Pablo schreibt:

    Denke auch, dass die Umstellung mit den zahlreich umgetretenen oder in die Spree geschmissenen Call A Bikes zu tun hat. War früher häufiger Nutzer und hoffe nun auf eine Ausweitung des Stationsnetzes. In einer Flächenstadt wie Berlin halt nicht so einfach. Es müssen Stationen mit vereinfachter Technik und vielleicht weniger Stellplätzen her.

    Grüße aus dem Call A Bike Niemandsland Charlottenburg

  3. BNB schreibt:

    Das liegt wirklich daran das die Räder kreuz und quer geparkt wurden und am ende keiner mehr genutzt hatte.. sie waren nicht mehr erreichbar. So nach dem Motto.. mit BVG in die Stadt mit Rad wieder heim… mach das ein paar mal und alle Räder sind am Stadtrand quasi ;)

    Ähnliches Problem bei Car2Go. Aufgrund der hohen Preise und des eingeschränkten Geschäftsgebietes sammeln sich Autos bereits jetzt schon an bestimmten Standpunkten.

    Ich selber habe ein Fahrzeug umparken müssen (12 Minuten hat es gekostet…) und nun steht es seitdem dort… etwas ungünstig.. aber wenigstens darf es da dauerhaft parken … ungünstig weil in der nähe weder Wohnungen, noch Bus oder U Bahn sind… da ist schon ein wenig Fußweg notwendig. aber ein besseres Gebiet in der Nähe ist nicht mehr im Geschäftsgebiet … nun steht das Fahrzeug da… bis es evtl. jemand holt oder ein Mitarbeiter es umsetzt.

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